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Eingangsansprache zum Eröffnungsgottesdienst des„Johann Strauss und der Glaube, seine jüdische Ehefrau und die Tochter?Zur Liebe bekennende Musik straft antisemitische Behauptungen Lügen“Ralph BraunSehr geehrter Herr Bürgermeister Tessmer, sehr geehrte Mitglieder der internationalenJohann Strauss Gesellschaften, verehrte Gäste aus Nah und Fern, verehrte Straussfreunde,verehrte Coburger,ich begrüße Sie zum Eröffnungs-Gottesdienst des „Coburger Johann Strauss Musikfestival2009“, in dem die im Juni 1939 – vor exakt 70 Jahren - vom antisemitischen Hetzblatt „DerStürmer“ geleugnete Herzensbindung von Johann, Adele Strauss und Tochter Alice dargestelltwerden wird.Korrektur des in der NS-Zeit geprägten unrichtigen Johann-Strauss-BildesMit meinen Beiträgen für das diesjährige „Coburger Johann Strauss Musikfestival“ möchteich eine öffentliche Korrektur des so weit verbreiteten unrichtigen Johann-Strauss-Bildes

einleiten. Dieses wurde vor 70 Jahren zuvorderst durch Spielfilme, die in Zusammenhang miteiner Johann Strauss betreffenden menschenverachtenden Artikelserie des antisemitischenHetzblattes „Der Stürmer“ gesehen werden müssen, geprägt und lebt bis heute in derÖffentlichkeit, da auch spätere Verfilmungen hierauf fußten und in zahlreichen StraussKonzerten dieses unrichtige Bild weiterhin in die Öffentlichkeit transportiert wird.Was denkt man heute über Johann Strauss, welche Achtung genießt seine Musik heute beiMusikern, Musikwissenschaftlern, Politikern, bei Intendanten, Regisseuren, Redakteuren,Kulturjournalisten? Schon in allgemeinbildenden Schulen wird Johann Strauss - nicht nur inDeutschland - so gut wie nicht behandelt. Hier stehen die internationalen Johann StraussGesellschaften in der selbstgewählten verantwortungsvollen Pflicht.Heutiger Antisemitismus - Bundespräsident Horst Köhler mahntAuf mein diesen Gottesdienst betreffendes Anschreiben an Bundespräsident Prof. Dr. HorstKöhler erreichte mich ein Antwortschreiben des Bundespräsidialamtes, aus dem ich zitiere:„Bundespräsident Horst Köhler dankt Ihnen vielmals für Ihren Brief vom 18. Mai 2009. Er hatmich gebeten, Ihnen zu antworten. Der Bundespräsident hat mit Interesse von denAktivitäten der Deutschen Johann Strauss Gesellschaft erfahren. Der Bundespräsidentwünscht Ihnen für Ihre weiteren Aktivitäten viel Erfolg. Dem schließe ich mich an.“Bundespräsident Prof. Dr. Horst Köhler Rede „Der Auftrag der Erinnerung“„Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus“Deutscher Bundestag 27. Januar 2009In seiner Rede zur diesjährigen Feierstunde des Deutschen Bundestages am „Tag desGedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus“ sagte Bundespräsident Prof. Dr. Horst

Köhler: „Es ist ein Geschenk, dass heute in Deutschland wieder jüdisches Leben erblüht, dassdie jüdischen Gemeinden wachsen, dass Rabbiner bei uns ausgebildet und neue Synagogengebaut werden. Es ist ein Geschenk. Aber dass die Orte jüdischen Lebens von der Polizei voralten und neuen Extremisten geschützt werden müssen, das ist eine Schande. Stellen wir unsan die Seite unserer jüdischen Landsleute. Wer sie angreift, greift uns alle an."Am 15. August 1887 wurden hier, in der Schlosskirche der Coburger Ehrenburg [wunderbarePanoramaaufnahme der Kirche!], der zum protestantischen Glauben übergetretene KatholikJohann Strauss und die ebenfalls zum protestantischen Glauben übergetretene verwitweteJüdin Adele Strauss, geborene Deutsch, getraut.Arisierung des „Achteljuden“ Johann Strauss durch den „Stürmer“Im Juni 1938 - 51 Jahre später - notierte Joseph Goebbels in seinem Tagebuch:„Ein Oberschlauberger hat herausgefunden, daß Joh. Strauß ein Achteljude ist. Ich verbiete,das an die Öffentlichkeit zu bringen. Denn erstens ist es noch nicht erwiesen, und zweitenshabe ich keine Lust, den ganzen deutschen Kulturbesitz so nach und nach unterhöhlen zulassen.“Ein Verbot der Strauss’schen Musik hätte eine Katastrophe für den deutschen Musikbetriebbedeutet, denn Johann Strauss war in dieser Zeit der mit Abstand meistgespielte Komponistim jungen Massenmedium Rundfunk, mit dem Goebbels neben dem Film an vorderster Stelledie Propaganda betrieb.Korrektur nach exakt 70 Jahren: „Nürnberg, im Juni 1939“ – Coburg, 28. Juni 2009Nürnberg/Wien 1939Coburg 2009Heute soll in diesem Gottesdienst die furchtbare Hetzkampagne des „Stürmer“ gegen Alice StraussMeyszner, mit der im Juni 1939 der nach Verständnis der Nürnberger Rassengesetze „Achteljude“Johann Strauss „arisieret“ wurde, korrigiert werden.

Der, wie es im „Stürmer“ hieß, „unvergessliche geniale deutsche Walzerkönig“ wurde in derdreiteiligen Artikelserie von seiner 1930 verstorbenen jüdischen Ehefrau Adele und vor allem vonseiner in Wien lebenden jüdischen Stieftochter Alice deutlichst antisemitisch abgegrenzt. Adele undAlice wurden dabei als „jüdische Erbschleicher in der Familie des Walzerkönigs“ bezeichnet. In dendrei direkt aufeinanderfolgenden „Stürmer“-Artikeln wurden Adele, Alice und deren Sohn Hanns ineiner beispiellosen Hetzkampagne angegriffen. Im damals sehr antisemitischen Wien nannte der„Stürmer“ Alice Meyszner, ihren im selben Haus lebenden Sohn Hanns Epstein und die volle Adresse:Wien IV, Gußhausstraße 12.„Exlibris Alice Epstein“ - geb. Strauß - von Maria von PeteaniWir werden heute an diesem Ort die Liebe und gegenseitige Achtung, die die als Jüdinnen geborenenAdele und Alice und Johann Strauss miteinander verbunden hat, durch Musik und Worte fühlen.Die erste Ehefrau von Johann Strauss, die hervorragende, Jahre vor dieser Ehe international gefeierteSängerin Henriette Treffz, die so viel Gutes für ihn bewirkte, wird ebenfalls durch ein Gesangsstückgewürdigt.Zwei der in unserem Gottesdienst erklingenden Werke komponierte Strauss für Alice mit derWidmung „meiner Tochter Alice“.Bisher unentdeckt: der Sohn der Strauss-Stieftochter/Tochter?, Julius Epstein, initiierte dieAufklärung des Massaker von Katyn und legte die furchtbare bis heute kaum bekannte„Operation Keelhaul“ offen.Unsere heutige Begegnung möchte ich auch zum Anlass nehmen, Julius Epstein, den zweitenSohn von Alice Strauss zu würdigen.

Mit seinem mutigen und hartnäckigen Einsatz hat Julius Epstein im Anschluss an den ZweitenWeltkrieg wesentlich zur Aufklärung und Offenlegung zweier die Welt noch heutebeschäftigender Verbrechen gegen die Menschlichkeit beigetragen, von denen das 1940 vomsowjetischen NKWD verübte Massaker im polnischen Katyn seitens der Sowjetunion trotzdembis 1989 weiterhin Deutschland vorgeworfen wurde.[Massaker von Katyn: “THE MYSTERIES of the VAN VLIET REPORT A CASE HISTORY by Julius Epstein“ / 1974Buch “Operation Keelhaul THE STORY ABOUT FORCED REPATRIATION“, Besprechung von Jeffrey RogersHummel Nov. 1974, Besprechung von W.J. Griffith März 1975; bereits 1971 hatte Epstein über das Thema in„Politische Studien“, Heft März/April, publiziert: „Die Zwangsrepatriierung von antikommunistischenKriegsgefangenen in die Sowjetunion“. “Operation Keelhaul“ war der amerikanische Deckname für die auf derKonferenz von Jalta von Stalin, Roosevelt und Churchill vereinbarte (zwangsweise) Repatriierung von imwestlichen Ausland lebenden Osteuropäern in die Sowjetunion. Ein Beitrag auf youtube: „Operation Keelhaul aDisgraceful Chapter in American History by Tom E Woods“. Allein bis März 1946 wurden 5.352.963Osteuropäer zwangsweise „repatriiert“, s. a. „Vom KZ in den Gulag“ Deutschlandradio 25. Januar 2010. Zweibemerkenswerte Briefe von Julius Epstein an Paul Joachim Friedrich, seinerzeit rechte Hand vonVerteidigungsminister Helmut Schmidt. Paul Joachim Friedrich war der Sohn des ersten BDI-Präsidenten nachdem Zweiten Weltkrieg, Otto A. Friedrich. Die Schwester von Paul Joachim Friedrich ist die Journalsitin KarinFreidrich. a. sehr ernstzunehmender Brief bez. eines angeblich in Mao Tse Tungs Besitz befindlichen, vomNKWD 1940 erstellten neunstündigen Films der Erschießungen von Katyn – im Frühjahr 1971 begann dieAnnäherung der VR-China an den Westen; b. Brief „c/o Helmudt Schmidt Bundeshaus Bonn“ bez. der „EpsteinAffäre“ 1962 um Bundeskanzler Konrad Adenauer – Epstein Spiegel-Artikel 12. September 1962 „Die Leute inWashington leben auf dem Mond“ und der Spiegel „Jedermanns Pflicht“ 4. August 1965]Julius Epstein Foto Klappentext seines Buches „Operation Keelhaul“ 1974Vollständiger Text einige scan-Fehler großenteils aber einwandfreiAlice Strauss war in zweiter Ehe von 1899-1903 mit dem mit Johann Strauss befreundetenPianisten Richard Epstein verheiratet. Richard Epstein war Schüler Gustav Mahlers, seinVater, Prof. Julius Epstein, der Klavierlehrer Gustav Mahlers und ebenfalls Freund JohannStrauss‘.

Julius Epstein emigrierte über Prag 1933, die Schweiz 1938 schließlich 1939 in die USA. Erwurde ein bedeutender Journalist, Schriftsteller und Politikwissenschaftler. Julius Epsteinsverwandtschaftliche Beziehung zu Alice Strauss, seiner Mutter, ist bis heute nicht bekannt.Ich habe die Zusammenhänge im Rahmen meiner Forschungen entdeckt. Zwischen 1943 bisin die 1950er Jahre wurde Julius Epstein zu einem der Hauptaufklärer des Massakers impolnischen Katyn [Sammlung Epstein betr. Katyn 1943-1957 Bundesarchiv].1940 waren 14.700 in sowjetische Gefangenschaft geratene polnische Offiziere und Soldatenvon sowjetischen Kommandos im Auftrag Stalins im Wald bei Katyn erschossen und inMassengräbern verscharrt worden. Anfang April 1943 wurden diese Massengräber zufälligvon Soldaten der deutschen Wehrmacht entdeckt.Beide Kriegsparteien machten jeweils die Gegenseite in weltweiten Propagandaaktionen fürdas Massaker verantwortlich. Dem Sohn von Alice Strauß verdanken wir durch seinenmutigen Einsatz, dass die Wahrheit ans Licht kam. Acht Jahre seines Lebens, beginnend 1943nach Entdeckung der Massengräber, hat er damit verbracht. Trotz aller Beweise, hat dieSowjetunion bis 1989 weiterhin Deutschland die Schuld am Massaker zugeschoben.Bis heute wird Julius Epstein leider in der diesbezüglichen Literatur so gut wie nicht erwähnt:Vor wenigen Tagen erhielt ich von der polnischen Botschaft in Berlin mehrere Bücher überdas Massaker von Katyn zugesandt. Aus einem möchte ich kurz zitieren, weil es zeigt, welcheCourage der dort nicht genannte Julius Epstein entwickelte:[Andrzej Wajda und sein Film „Katyn“, Bundeskanzlerin Angela Merkel besuchte „Katyn“-Premiere aufBerlinale]Ein Überlebender berichtet:[Salomon W. Slowes „Der Weg nach Katyn - Bericht eines polnischen Offiziers“, Europäische Verlagsanstalt,/Rotbuch Verlag, Hamburg, 2000, S. 31]„Während der Nürnberger Prozesse versuchten die Sowjets erneut, den Nazis die Schuld anKatyn in die Schuhe zu schieben. Aber die Deutschen weigerten sich standhaft, dafür dieVerantwortung zu übernehmen, und bald wurde deutlich, daß die sowjetischen Aussagengewunden und widersprüchlich waren. Die Westalliierten konnten es sich nicht leisten, dieSowjets direkt zu bezichtigen. Als ein Anwalt des deutschen Generalstabs und desOberkommandos der Wehrmacht die Frage stellte: Wer ist für den Fall Katynverantwortlich? , antwortete Richter Lawrence: Auf solche Fragen antworte ich nicht. Zwischen 1943 und 1951 setzten das Außenministerium der Vereinigten Staaten und dasWeiße Haus alles daran, die Wahrheit über Katyn vor der Öffentlichkeit geheimzuhalten. Sounterdrückte die Regierung Berichte von hochrangigen amerikanischen Soldaten undDiplomaten. Einige jedoch waren über diese Verschwörung des Schweigens sehr beunruhigt,und so wurde 1949 [auf Initiative Julius Epsteins] ein privates Komitee zur Untersuchung des

Verbrechens von Katyn gegründet. Das Komitee setzte die Regierung unter Druck, dieschließlich eine offizielle Untersuchung veranlaßte.1951 stellte das aus Kongreßmitgliedern zusammengesetzte Katyn-Komitee einhellig fest, dasVerbrechen sei ohne jeden Zweifel vom sowjetischen NKWD verübt worden. “Julius Epstein lehrte als Professor für internationale Politik an der Lincoln University in SanFrancisco, war Mitarbeiter des Hoover-Instituts an der Stanford University in Palo Alto, woauch Epsteins schriftlicher Nachlass sowie - bemerkenswerterweise - die autographe Partiturder Johann Strauss-Operette „Eine Nacht in Venedig“ verwahrt wird. Diese war ursprünglichBestandteil der wie die Sammlung Strauss-Meyszner ebenfalls 1939 beschlagnahmtengroßen Johann Strauss-Sammlung „Simon“.Erst am 13. April 1990 gestand Präsident Michail Gorbatschow [noch 1988 hatte er beim Besuch inWarschau kein Wort über Katyn verloren] die sowjetische Alleinschuld am Massaker von Katynoffiziell ein. Präsident Boris Jelzin überließ Polen im Oktober 1992 die sowjetische Akte von1940. [Vorschlag von Lawrenti Beria an Stalin zur Exekution polnischer Offiziere März 1940 Blatt 1, Blatt 2,Blatt 3, Blatt4]Nur zwei Tage nach der eingangs erwähnten Ansprache des Bundespräsidenten lehnte dieMilitärkammer des obersten Gerichtshofs in Moskau am 29. Januar dieses Jahres eineUntersuchung des Massakers von Katyn endgültig ab. Hiermit ist der Weg zum europäischenMenschenrechtsgerichtshof in Straßburg nun frei.Ausgrenzung von Alice Strauss 1939 – nach 70 Jahren immer noch?„Sie gehört nicht dazu“ wurde mir vor einer Woche gesagt.Für Johann Strauss gehörte sie dazu - war die Eigentümerin einer der zwei großen StraussSammlunge - für Adele, als ihre Mutter, gehörte sie sowieso dazu, für Bruder und SchwagerEduard Strauss ebenfalls. Dieser unterschrieb zahlreiche Briefe und Karten mit „Dein Onkel“,Johann Strauss unterschrieb mit „Dein Papa“, Adele unterschrieb an Alice mit „Deine Eltern“.Diese Belege aus den Memorabilien von Alice Strauss-Meyszner werden in derLandesbibliothek Coburg verwahrt.Er schrieb: „Die Jüdin Adele Strauß, geborene Deutsch, war die dritte Ehefrau des deutschenWalzerkönigs Johann Strauss geworden. Mit ihrem jüdischen Kinde Alice verstand sich derWalzerkönig keineswegs. Sie wurde von jeder häuslichen Gemeinschaft ausgeschlossen.Johann Strauß duldete nicht einmal, daß sie bei den gemeinsamen Mahlzeiten anwesendwar.

„Kochbuch für Alice Strauss Weihnachten 1887“ (Besitz Ralph Braun)Vorstellung 17. u. 18. Dezember 2011 im Spiegel

Operation Keelhaul THE STORY ABOUT FORCED REPATRIATION“, Besprechung von Jeffrey Rogers Hummel Nov. 1974, Besprechung von W.J. Griffith März 1975; bereits 1971 hatte Epstein über das Thema in „Politische Studien“, Heft März/April, publiziert: „Die Zwangsrepatriierung von antikommunistischen Kriegsgefangenen in die Sowjetunion“. “Operation Keelhaul“ war der